Wie baut man den runden Korpus einer Mandoline?

… über einer massiven Form aus feinen Holzstreifen.
Bei der Mandoline werden die Späne über ein Vollholz oder schichtverleimtes Model gezogen und nur auf Klotz (rechts mit Schraube)  und Halsfuß (links mit Klemmen) verleimt.

Späne auf Model (Form)
Späne auf Model (Form)

 

Die Form wird aus mehreren Schichten Fichten oder Kiefernholz, – oder aus MDF gebaut.

Die Schichten sind in den nächsten Bildern nur schlecht als waagerechte Linien erkennbar. Die aufgemalten Linien entsprechen den Rändern der Späne.

Jedes Model hat seine eigene Form, daher ist die Form der Späne bei jedem Model, sogar die der linken und rechten Seite unterschiedlich.
Die Form der Späne kann man auf dem Model selbst mit einem Biegelinial anzeichnen.
Wenn alle Späne aufgezeichnet sind, kann man die Flächen für die Späne wieder flach schleifen.
Um die Form der Späne auf  die Holzstücke zu übertragen verwendet man Pergamentpapier oder ein ähnliches durchsichtiges Papier.

Hier sieht man die (leicht gewellten) Vorlagen der Späne für die linke Seite des Korpus aus Pergamentpapier (Bauzeichner-Papier).

Vorlagen für Späne

 

 

Im nächsten Bild  kann man links die Markierungen für die Kappe erkennen.

De Form hat am Halsfuß 3 Bohrungen, so dass der Halsfuß während des Baus fest mit der Form verschraubt werden kann.

Die Späne werden als dem Halsfuß verleimt und am später abgesägten Ende auch genagelt.
Die Halbrunde Platte rechts ist absichtlich etwas kleiner als die Form und verhindert, dass Leim vom Halsfuß bis zum Form vordringen kann.
Der Halter (unten) bietet die Möglichkeit, die Form fest einzuspannen.

Model (Form) mit Halter)
Model (Form) mit Halter)
Model, von innen, 3 Schrauben für Halsfuß

Hier nochmal eine Übersicht:

Model, Halsfuß, Reststück
Model, Halsfuß, Reststück

 

 

 

 

Nicht nur der Halsfuß, auch der Klotz werden durch Schrauben von innen gehalten.
Für den Klotz wurde ein Platz im Model vorgesehen.
Der Klotz kann aus Ahorn oder einem anderen festen Holz bestehen und wird am Model festgeschraubt und dann die Übergänge zwischen Model und Klotz so bearbeitet, dass die Späne später sauber darüber befestigt werden können.
Auf dem Klotz sollte man die Position bzw. den Punkt an dem alle Späne zsuammenlaufen sollen ganz genau ausmessen und aufzeichnen.

Reservierter Platz für den Klotz im Model

wie man erkennen kann, wird der Klotz später durch die Kappe überdeckt.

 

Und die Zierspäne????

Zwischen den Spänen werden meist noch dünne zierspäne gesetzt. Warum?
es gibt da aus meiner Sicht eine einfache Erklärung, – wenn man die Späne 1000%  aufeinander passend setzt braucht man garkeine Zierspäne, – aber eben auch viel zeit.
Einfacher ist es, wenn man die Späne erstmal nur 100%tig aneinanderleimt und auf Klotz und Halsfuß leimt. Später zieht man zwischen den Spänen mit einer Japansäge dann vorsichtig eine Nut und setzt dort einen Zierspan rein. Falls die Späne mal nicht 100% parallel aneinander lagen wird diese Unregelmäßigkeit durch die Nut und den Zierspan wieder verschlossen bzw. ausgeglichen. .. ich werde es mal selsbt ausprobieren.
Da beim „Aufsägen“ der ggf. noch groben Fuge zwischen den Spänen entsprechende Kräfte auftreten, würde ein Mandolinenkorpus ohne darunterliegendes Model sicher sehr leicht beschädigt werden. Auf den Models, die ich bei Mandolinenbauern sah, konnte man deutliche Sägespuren vom Einsetzen der Zierspäne sehen. Leider fehlt mir bisher eine entsprechende Abbildung.

Zur Bearbeitung des Korpus benötigt man nicht nur ein Model. Für die Bearbeitung des Innenraums und das Ansetzen des Halses verwendet man besser einen speziellen Halter wie hier von Herrn Kroeber.

Workbench für Mandoline (Kroeber)

 

 

 

Wie wird es bei anderen Instrumenten gemacht???

Alternativ findet man etwas zu anderen Instrumenten…

Die einzelnen Bauweisen des Bauchs einer OUD, Baglama (Saz) und Bowlback-Mandoline unterscheiden nach meiner Erfahrungen wie folgt:
OUD oder Laute:

Der Korpus wird ganz ohne Model gebaut. Die Rippen werden an Halsfuß und unterem Klotz nacheinander festgeleimt und untereinander verleimt. Die Fixierung kann mittels Klebeband untereinander und mittels kleinen Nägeln auf dem Halsfuß und uterem Klotz erfolgen.
Es werden keine Zierspäne zwischen die Rippen gesetzt.
Bilder: hier

Baglama, Saz und ggf. auch Oud

Hier verwendet man auch den Klotz und Halsfuß zur Fixierung der Späne, zieht die Späne aber auf ein leichtes Model (engl. Mold), welches nur aus wenigen verstrebten Brettern besteht. Man kann hierbei immer noch die Späne direkt miteinander mittels Klebeband oder Gummibändern fixieren. In einigen Videos sieht man, wie der Instrumentenbauer die einzelnen Späne mit kleinen Nägeln oder Pins auf dem Model fixiert. Der Vorteil ist, dass man das Model sehr leicht auf einem beweglichen Geleng montieren kann und in die optimale Arbeitsposition bringen kann. Zusätzlich erhält der neue Korpus einen Gegenhalt und kann mit mehr Kraft z.B. beim Schleifen und Abziehen bearbeitet werden.

Wie sich die Arbeitsweisen doch unterscheiden, … in Punkte Professionalität….

Eastman (China?)
http://www.youtube.com/watch?v=4CBG2gt2byA

Baglamabau (Türkei?)
– alle Rippen werden gleichzeitig gebogen
– die Form der Rippen wird auf einem großen Schleifteller mit Absauganlage hergestellt
http://www.youtube.com/watch?v=nnv0k-ocKeY&feature=related

Hier noch ein Baubericht für eine OUD, zum Nachlesen auf Englisch!

und hier eine andere Variante des Biegens beim Oud-Bau
– die Rippen werden grob in Form gebracht (Bandsäge)
– die Rippen werden einzeln gebogen und mit dem Hobel Nr. 5 in Form gebracht.
– die Kontrolle, ob der Winkel auch passt, erfolgt über einen liegenden Spiegel auf Augenhöhe (2:23)
– dann passen die Rippen auch ohne Zierspan!
– Von Außen werden die Rippen dann noch mittels eines heißen Eisens nachgebogen oder geglättet.
http://www.youtube.com/watch?v=Et4N1spOAT0&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=GpicPJYRb6Y&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=VCop5dj8WAo&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=ApVPQ2bM2WM&feature=related

Das Nachbiegen oder Glätten der Rippen mittels eines heißen Eisens hatte ich mal auf einem Foto aus der
Calace-werkstatt oder einem Video gesehen.

Hier noch eine optimale Präsentation einer Baglama!
http://www.youtube.com/watch?v=EMY_j2WVnjs&feature=related
.. so etwas habe ich mit Mandoline noch nicht gesehen.

und USA? 50 Tools für Gitarrenbaueer
http://www.youtube.com/watch?v=4LZSSya3ZZQ&feature=related

Rip-Bending?
http://www.youtube.com/watch?v=rvsdS9sbuq0&feature=related

.. ich selbst habe das Biegen erstmal nur mit Resthölzern getestet.
.. mit dem Heißluftfön geht´s nur bei kleinen dünnen Stücken.
Mit meinem selbst gebauten Bending-Iron (50Euro Material) geht´s besser. … hab aber nicht gewartet bis es richtig heiß war.

Bilder folgen…